Autobahn fahren mit dem Mietwagen: was Reisende wirklich wissen müssen
Kein generelles Tempolimit, aber klare Regeln: Richtgeschwindigkeit, Rechtsfahrgebot, Rettungsgasse und was das für Ihren Mietwagen bedeutet.
Auf einem großen Teil des deutschen Autobahnnetzes gibt es kein generelles Tempolimit. Wo kein Schild etwas anderes anordnet, gilt die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h, und das ist eine Empfehlung und kein Limit. Auf den übrigen Abschnitten gilt dagegen das ausgeschilderte Tempo, häufig 100 km/h, 120 km/h oder 130 km/h, etwa an Stadteinfahrten, in Baustellen und in lärmsensiblen Bereichen.
Für Sie am Steuer eines Mietwagens heißt das: Auf vielen Strecken dürfen Sie so schnell fahren, wie Fahrzeug, Verkehr und Wetter es zulassen, aber Sie tragen die Verantwortung dafür allein. Wer schneller als die Richtgeschwindigkeit unterwegs ist, dem kann nach einem Unfall eine Mithaftung angelastet werden, selbst wenn ein anderer den Fehler gemacht hat. Dieser Text erklärt die Regeln, die auf der Autobahn wirklich zählen, und die Mietwagen-Seite, an die kaum jemand denkt, bevor es zu spät ist.
- Kein generelles Tempolimit auf einem großen Teil des Netzes; 130 km/h ist die Richtgeschwindigkeit, also eine Empfehlung.
- Ein ausgeschildertes Tempo hat immer Vorrang, auch wenn es nur auf einer Leuchtanzeige über Ihrem Fahrstreifen steht.
- Rechts fahren, links nur überholen: Rechtsüberholen ist auf der Autobahn verboten.
- Bei stockendem Verkehr sofort Rettungsgasse bilden: ganz links nach links, alle anderen nach rechts.
- Sehr schnelles Fahren kann im Schadensfall die Haftungsreduzierung Ihres Mietvertrags berühren.
Kein Tempolimit heißt nicht: keine Regeln
Der Satz, den viele Besucher falsch im Kopf haben, lautet sinngemäß: in Deutschland gelte überall ein Limit von 130 km/h. So stimmt es nicht. Richtig ist, dass auf großen Teilen des Netzes kein Limit angeordnet ist und dort die Richtgeschwindigkeit als Empfehlung gilt. Geblitzt werden Sie dort nicht, wenn Sie schneller fahren. Rechtlich stehen Sie aber schlechter da, sobald etwas passiert.
- Als Abstand gilt die Faustregel halber Tacho in Metern; bei hohem Tempo wird daraus sehr schnell eine lange Strecke.
- Der Blick gehört weit nach vorn, denn Stauenden tauchen auf freier Strecke überraschend plötzlich auf.
- Spurwechsel nur mit Schulterblick und frühem Blinken, der tote Winkel ist bei hohem Tempo besonders tückisch.
- Bei Nässe, Seitenwind oder Dämmerung zählt nicht, was erlaubt wäre, sondern was beherrschbar bleibt.
Welches Tempo gilt wo?
Deutschland unterscheidet klar zwischen Ortschaft, Landstraße und Autobahn. Das gelbe Ortsschild und das blaue Autobahnschild sind dabei wichtiger als jede Zahl, die im Reiseführer steht. Die folgende Übersicht fasst zusammen, was wo gilt.
| Straßenart | Was gilt | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Innerhalb geschlossener Ortschaften | 50 km/h | Gilt ab dem gelben Ortsschild, auch ohne weiteres Schild |
| Außerorts, Landstraße | 100 km/h für Pkw | Oft schmal, Bäume am Rand, landwirtschaftlicher Verkehr |
| Autobahn ohne Beschilderung | Kein generelles Limit, Richtgeschwindigkeit 130 km/h | Empfehlung, kein Limit; bei einem Unfall droht Mithaftung |
| Autobahn mit Beschilderung | Das angezeigte Tempo, oft 100 km/h, 120 km/h oder 130 km/h | Gilt ab dem Schild bis zur Aufhebung |
| Baustelle auf der Autobahn | Das in der Baustelle angeordnete Tempo | Schmale Fahrstreifen und versetzte gelbe Markierungen |
Rechts fahren, links überholen
Das Rechtsfahrgebot ist keine Höflichkeitsfloskel, sondern eine Vorschrift. Sie halten sich so weit rechts wie möglich und benutzen den linken Fahrstreifen nur, um zu überholen. Danach ordnen Sie sich wieder rechts ein. Wer dauerhaft links bleibt, obwohl rechts Platz ist, bremst den Verkehr aus und provoziert riskante Manöver hinter sich.
Die Kehrseite ist das Rechtsüberholverbot. Auch wenn jemand links zu langsam fährt, dürfen Sie ihn nicht rechts überholen. Richtig ist: Abstand halten, abwarten, und erst wieder nach rechts wechseln, wenn Sie den Überholvorgang beendet haben. Dichtes Auffahren und Dauerlichthupe sind hier nicht nur unbeliebt, sie werden auch geahndet.
Wenn der Verkehr dicht wird
Bei zähem Kolonnenverkehr wird die Regel entschärft. Bilden sich auf mehreren Fahrstreifen Schlangen, darf rechts mit nur mäßig höherem Tempo an der linken Kolonne vorbeigefahren werden. Ein Freibrief zum Ausscheren ist das nicht: Wer nach rechts zieht, um schneller voranzukommen, überholt rechts und verstößt gegen die Regel.
Baustellen, Leuchtanzeigen und das rote X
Über vielen Abschnitten hängen Schilderbrücken mit Wechselverkehrszeichen. Was dort leuchtet, gilt ab der Brücke und nur für den Fahrstreifen, über dem es angezeigt wird. Ein rotes X bedeutet: Dieser Fahrstreifen ist gesperrt, verlassen Sie ihn zügig und ohne Hektik. Ein angezeigtes Tempo ist ein verbindliches Limit, auch wenn es wenige Minuten später wieder verschwindet, weil sich die Lage geändert hat.
- In Baustellen sind die Fahrstreifen schmaler als sonst, der linke oft deutlich schmaler als der rechte.
- Ein Schild mit Breitenangabe reserviert den schmalen linken Streifen für schmale Fahrzeuge; mit Transporter, Wohnmobil oder Dachbox bleiben Sie rechts.
- Gelbe Markierungen überlagern weiße. Wo Gelb liegt, gilt ausschließlich Gelb, auch wenn die weiße Linie noch zu sehen ist.
- Seitenstreifenfreigabe: Nur wenn über dem Standstreifen ein grüner Pfeil leuchtet, dürfen Sie ihn befahren.
- Früh einordnen, Abstand vergrößern und das Tempo vor der Engstelle abbauen, nicht erst in ihr.
Rettungsgasse bilden, bevor Sie stehen
Sobald der Verkehr auf einer Richtungsfahrbahn mit mindestens zwei Fahrstreifen stockt oder steht, muss eine Rettungsgasse entstehen. Nicht erst, wenn Sie das Blaulicht sehen, sondern ab dem Moment, in dem es langsam wird. Das ist die Regel, bei der Einheimische am wenigsten Verständnis zeigen, wenn ein Fahrzeug sie ignoriert.
- 1Tempo herausnehmen, sobald vor Ihnen Bremslichter aufleuchten oder jemand den Warnblinker einschaltet.
- 2Fahrzeuge auf dem äußerst linken Fahrstreifen weichen nach links aus, alle übrigen Fahrstreifen nach rechts.
- 3Die Gasse entsteht immer zwischen dem linken und dem direkt daneben liegenden Fahrstreifen, unabhängig von der Zahl der Spuren.
- 4Den Standstreifen nicht als Rettungsgasse nutzen, er kann durch ein liegengebliebenes Fahrzeug blockiert sein.
- 5Die Gasse offen halten, bis der Verkehr wieder rollt, und nicht hinter Einsatzfahrzeugen herfahren.
Was das für Ihren Mietwagen bedeutet
Ein Mietwagen ist nicht Ihr Auto, und genau da entstehen die unangenehmen Überraschungen. Sie passieren selten auf der Strecke und fast immer am Schalter bei der Rückgabe. Zwei Punkte entscheiden darüber, wie die Reise endet: die Haftung und der Umgang mit Kraftstoff und Pausen.
Haftung und Selbstbeteiligung
- Eine vereinbarte Haftungsreduzierung deckt nicht jedes Verhalten ab. Bei grober Fahrlässigkeit kann sie ganz oder teilweise entfallen.
- Sehr hohes Tempo zusammen mit Ablenkung durch Navigation, Telefon oder Bildschirm ist genau das Muster, aus dem später ein Streitfall wird.
- Lassen Sie sich vor der Buchung zeigen, wie hoch die Selbstbeteiligung ist und was ausgeschlossen bleibt. Reifen, Glas, Unterboden und Dach sind die klassischen Lücken.
- Bei DRIVO sehen Sie die Kaution und den Leistungsumfang, bevor Sie buchen, und können an der Kasse optional einen Vollschutz hinzufügen, der die Selbstbeteiligung senkt.
Verbrauch, Tanken und Pausen
- Hohes Tempo kostet überproportional viel Kraftstoff. Mit einem fremden Fahrzeug planen Sie den Tankstopp besser früher als später.
- Tanken direkt an der Autobahn ist bequem, aber selten günstig. Ein Autohof liegt wenige Minuten hinter der Ausfahrt und ist meist die bessere Wahl.
- Prüfen Sie die Tankregel im Vertrag. Voll übernehmen und voll zurückgeben ist die einzige Variante ohne Rechenspiele.
- Diesel oder Benzin: Bei einem unbekannten Fahrzeug lieber einmal zu viel nachsehen, eine Fehlbetankung ruiniert den Tag.
- Alle zwei Stunden anhalten, aussteigen, trinken. Hohes Tempo ermüdet schneller, als es sich anfühlt.
Pause, Panne, Notruf
Die deutsche Autobahn hat eine eigene Pausenkultur und eine eigene Sprache dafür. Wer die Begriffe auseinanderhält, findet schneller, was er gerade braucht, und ärgert niemanden.
- Rastplatz: reine Parkfläche, meist mit Toilette, sonst nichts. Gut für eine kurze Pause.
- Raststätte: direkt an der Autobahn, mit Tankstelle und Gastronomie, rund um die Uhr geöffnet.
- Autohof: hinter der Ausfahrt, ausgeschildert, meist ruhiger und beim Tanken oft günstiger.
- Nach dem Tanken sofort von der Zapfsäule wegfahren und auf einem Stellplatz parken, nicht an der Säule stehen bleiben.
- Abends die Lkw-Flächen freihalten. Berufsfahrer haben vorgeschriebene Ruhezeiten und finden sonst keinen Platz.
- Panne: Warnblinker einschalten, Warnweste anlegen, hinter die Leitplanke gehen, dann das Warndreieck in ausreichendem Abstand aufstellen. Auf den Leitpfosten am Fahrbahnrand zeigt ein schwarzer Pfeil zur nächsten Notrufsäule.
Vor der Abfahrt: Ausstattung, Plakette, Reifen, Grenze
Die Minuten bei der Fahrzeugübernahme sind die wertvollsten der ganzen Reise. Gehen Sie einmal um das Auto herum, fotografieren Sie vorhandene Schäden, und klären Sie die folgenden Punkte, bevor Sie auf die Autobahn fahren.
- Warndreieck, Warnweste und Verbandkasten müssen mitgeführt werden. Fragen Sie, wo sie liegen, und prüfen Sie, dass sie wirklich da sind.
- Umweltzonen: Viele Städte lassen nur Fahrzeuge mit passender Plakette hinein. Welche Plakette gilt und wo die Zone beginnt, legt jede Stadt selbst fest. Prüfen Sie das für Ihr Ziel bei der jeweiligen Stadt, denn die Regeln ändern sich.
- Winterreifen sind situativ vorgeschrieben. Es zählt nicht das Datum, sondern der Zustand der Straße: Schnee, Glätte, Matsch.
- Die Autobahn ist für Pkw mautfrei. Fahren Sie nach Österreich oder in die Schweiz weiter, ist dort eine Vignette erforderlich; klären Sie vorher, ob am Fahrzeug bereits eine klebt.
- Alkohol: 0,5 Promille ist die allgemeine Grenze. In der Probezeit und für alle unter 21 Jahren gilt 0,0 Promille, also ein absolutes Verbot.
Gibt es auf deutschen Autobahnen wirklich kein Tempolimit?
Auf einem großen Teil des Netzes gibt es kein generelles Limit. Dort gilt die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h als Empfehlung. Auf vielen anderen Abschnitten ist ein Limit ausgeschildert, häufig 100 km/h, 120 km/h oder 130 km/h, und dieses Limit ist verbindlich.
Darf ich mit einem Mietwagen so schnell fahren, wie ich will?
Rechtlich gilt für Sie dasselbe wie für alle anderen. Der Unterschied steckt im Mietvertrag: Manche Verträge schränken die Nutzung ein, und eine vereinbarte Haftungsreduzierung greift bei grob fahrlässigem Verhalten möglicherweise nicht. Lesen Sie die Bedingungen, bevor Sie das Gaspedal testen.
Was bedeutet das rote X über meinem Fahrstreifen?
Der Fahrstreifen darunter ist gesperrt. Wechseln Sie so früh wie möglich und ohne Hektik auf einen freien Streifen. Weiter vorn liegt meist ein Hindernis, ein liegengebliebenes Fahrzeug oder eine Unfallstelle.
Was passiert, wenn ich mit dem Mietwagen geblitzt werde?
Die Behörde wendet sich an die Vermietung als Halterin, und diese gibt Ihre Daten weiter. Der Bescheid erreicht Sie dann direkt, meist mit einiger Verzögerung. Viele Vermietungen berechnen zusätzlich ein Bearbeitungsentgelt, fragen Sie also vorher danach.
Brauche ich eine Vignette für die deutsche Autobahn?
Für Pkw nicht, die Autobahn ist in Deutschland mautfrei. Sobald Sie nach Österreich oder in die Schweiz weiterfahren, ist dort eine Vignette erforderlich. Klären Sie mit der Vermietung, ob das Fahrzeug bereits eine hat und ob Auslandsfahrten erlaubt sind.
Kann ich kostenfrei stornieren, wenn sich meine Reise ändert?
Bei DRIVO ist die Stornierung bis 48 Stunden vor der Übernahme kostenfrei, und die Servicegebühr wird dabei erstattet. Der Gesamtpreis steht vorher mit allen Posten fest, damit am Schalter nichts Neues auftaucht.